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Fledermaus trifft Quietsche-Ente

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Die Fledermäuse reagierten ganz unterschiedlich auf die gelben Quietsche-Enten im Flugraum des Noctalis.

Bad Segeberg (em). Man kann von Quietsche-Entchen halten, was man möchte – unbestritten ist, dass sie uns immer wieder in lus­tigen oder verblüffenden Zusammenhängen begegnen. Bei Loriot sind sie in einem unvergessenen Sketch Anlass für einen absurden Streit  von „Herren im Bad“.  Die Wissenschaft verfolgt seit 1992 aufmerksam die Reise von rund 29.000 im Ostpazifik über Board gegangenen gelben Enten, um mehr über die Strömungen in den Weltmeeren zu lernen.
Seit März machen nun auch einige der tropischen Brillenblattnasenfledermäuse im Vivarium des Fledermaus-Zentrums Bad Segeberg im Rahmen verhaltensökologischer Studien Bekanntschaft mit dem Quietsche-Entchen. Im Rahmen ihrer Mas­terarbeit an der Universität Potsdam nutzt Angelique Hardert (23) unter anderem die Reaktion der Noctalis-Fledermäuse auf das gelbe Plastiktier, um herauszufinden, ob es bei Fledermäusen Draufgänger und Mauerblümchen gibt. „So, wie jeder Mensch sich in seinem Verhalten von anderen unterscheidet, unterscheiden sich auch bei Tieren Artgenossen in ihren Verhaltensweisen. Ist eine Verhaltenstendenz über einen Zeitraum hinweg wiederholbar zu beobachten, sprechen wir von Tierpersönlichkeiten“, beschreibt die angehende Verhaltensökologin Angelique Hardert ihren Forschungsansatz.
Um die Untersuchungen im Fledermaus-Zentrum durchführen zu können, wurden zunächst einige Gehege-Fledermäuse mit farbigen Armklammern markiert, um sie später wiedererkennen zu können. Für die Versuchsreihe konnte im Fledermaus-Zentrum in der Nebensaison der Garderobenraum im Untergeschoss zum Flugraum für Verhaltensbeobachtungen umgewidmet werden. In den vergangenen Monaten wurden dann immer wieder markierte Fledermäuse aus dem Vivarium gefangen und in den Flugraum gebracht. Dort wurde ihr Erkundungsverhalten in der neuen Umgebung mit Nacht­sichtvideokameras dokumentiert. In einer zweiten Versuchsrunde trafen sie dann dort auf unbekannte Objekte, wie eben die Quietsche-Ente oder auf einen Massageball. „Es war für mich immer aufregend zu sehen, wie unterschiedlich die einzelnen Individuen mit dieser Situation umgehen. Ein Männchen hat beispielsweise die Ente regelrecht attackiert, während andere sich ausweichend oder ignorant gezeigt haben“, berichtet Angelique Hardert über ihre Arbeit. Im dritten Versuchsdurchgang wurde den Fledermäusen dann ihre Lieblingsspeise – Banane beziehungswiese Melone – angeboten, jedoch bei heller Beleuchtung des Flugraums. Nur mutige Fledermäuse sollten sich unter diesen Umständen an die Futterquelle trauen. Angelique Hardert ist nach vielen Wochen Forschungsarbeit mit den Ergebnissen der Versuchsreihe zufrieden. Auch ihre Betreuerinnen Dr. Melanie Dammhahn von der Universität Potsdam und Dr. Mirjam Knörnschild von der Freien Universität Berlin sind begeistert.
„Es ist ein großes Glück für unsere Forschungen, dass wir im Segeberger Fledermaus-Zentrum unsere Arbeiten durchführen können. Die Brillenblattnasen zeigen hier aufgrund der hervorragenden Haltungsbedingungen weitgehend natürliche Verhaltensweisen. Dadurch sammeln wir wichtige Erkenntnisse, die wir künftig gern im Freiland überprüfen möchten, denn zu Fledermäusen liegen bisher nur sehr wenige Persönlichkeitsstudien vor“, führt Mirjam Knörnschild weiter aus. Für die Wissenschaftlerinnen aus Berlin und Potsdam folgt nun eine intensive Phase der Ergebnisanalyse.
„Wenn die Ergebnisse dann vorliegen, werden wir die unterschiedlichen Fledermaus-Charaktere im Rahmen unserer Ausstellung unseren Gästen vorstellen“, verspricht Florian Gloza-Rausch, Ausstellungskurator und wissenschaftlicher Leiter des Fledermaus-Zentrums, der sich über die Kooperation mit den Fledermausforscherinnen aus Potsdam und Berlin sehr freut.

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