Aktuelles

Einsatz am Kilimanjaro

von gelieferte Meldung

In der Klinik bildete Dr. Robert Keller (li.) seine Kollegen aus Tansania in minimal-invasive Chirurgie aus.

Bad Segeberg (em). Wird Dr. Robert Keller über seine Arbeit in Tansania gefragt, fallen ihm die sechs Jungen ein. Im Staub sitzen sie auf der Straße und spielen zusammen – mit einer einzigen Murmel. „Was wirklich Armut heißt, konnte ich an solchen Szenen beobachten. Und trotzdem habe ich selten so viel Freude und Zuneigung erlebt, wie in den zwei Wochen in Afrika“, erzählt der Chefarzt der Klinik für Chirurgie. Keller ist eigentlich keiner, der sich in seiner Funktion in Entwicklungsprojekten engagiert oder sich anderweitig als Arzt in die Dritte Welt begibt. „Ich war bisher immer der Meinung, es wäre ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn ich mich in einem Projekt engagieren würde. Diese Meinung hat sich geändert. Ich habe hier erfahren, wie nachhaltige Hilfe möglich ist.“
Auf eigene Kosten hat Keller zwei Wochen in der afrikanischen Savanne Tansanias verbracht und den dortigen Kollegen die minimal-invasive Chirurgie vermittelt. Der Kontakt lief über Dr. Ali Kombo, der 2019 in seiner Klinik hospitiert hat und seinem alten Doktorvater, Prof. Norbert Guldner aus Lübeck. Der begeisterte Afrikafan lebt seit mehreren Jahren teilweise dort. Hier im Norden Tansanias, zwischen afrikanischen Bergen und dem Kilimanjaro, liegt einsam in der Savanne eine Klinik. 2007 startete man hier als Krankenstation für Schwangere. Unter der Initiative der Österreicherin Dr. Christina Wallner und ihrer Tochter Cornelia, die in Lübeck praktiziert hat, ist bis heute ein Komplex gewachsen, zu dem neben der Klinik mit diversen Fachrichtungen ein Waisenhaus, mehrere Schulen und Ausbildungsstätten sowie zahlreiche soziale Projekte gehören. 280 Menschen arbeiten hier und versorgen die gesamte Region mit Medizin und Bildung. Africa Amini Alama heißt der gemeinnützige Verein der Medizinerinnen, dessen Deutschlandvertretung in Lübeck angesiedelt ist.
Kellers Aufnahme in der Einrichtung beginnt blutig. Als er im Sommer dieses Jahres im Health Center Momella ankommt, bereiten die Massai dem deutschen Arzt ein traditionelles Fest. Dazu gehört der gemeinsame Genuss von frischem Rinderblut. Doch Keller macht dabei eine gute Figur, wird schnell integriert und macht sich an die Arbeit – jedoch mit Verzögerung. „Zunächst saß ich drei Tage nur herum und wartete. Es kamen keine Patienten. Das lag allerdings daran, dass man sich in der Klinik doch erst an mich gewöhnen wollte. Danach ging es richtig los.“ Acht Operationen á 30 Minuten laufen dann Tag für Tag. Die afrikanischen Kollegen lernen schnell. Hernie, Leber- und Eierstockzysten, Blinddarm, Gallensteine, die einbestellten und von einem westeuropäischen Gastroenterologen bereits vor Monaten diagnostizierten Patienten reihen sich ein, denn es spricht sich herum, dass der deutsche Doktor da ist. Wo vorher keine Operationen dieser Art vorgenommen wurden, sind es jetzt in zwei Wochen über 40 Eingriffe.
Für Safaris und Sightseeing bleibt Keller kaum Zeit. Nur ein kurzer Trip mit einem Massai in die atemberaubende Natur Ostafrikas und die Übernachtung in einer der urtümlichen Lodges für Touristen, will er nicht missen. Ansonsten lernt er in den zwei Wochen die weiteren sozialen Einrichtungen kennen. Besonders nachhaltig beeindruckt ihn das Waisenhaus. Wer keine Eltern mehr hat oder mit zwölf Geschwistern zu kurz kommt, darf hier bleiben und ist gut versorgt. „Das führt bei einigen Einheimischen zu Neid und Missgunst, die sich in Gewalt gegen die Kinder zeigt, denn den jungen Menschen hier geht es gut. Sie haben Essen, Kleidung, ein solides Dach über dem Kopf und werden ausgebildet.“ Ihn begeistert die Grundschule mit angeschlossener Berufsausbildung in verschiedenen Professionen. Und Keller legt selbst Hand an, repariert die defekte Schulglocke.
Nach 14 Tagen fährt der Viszeralchirurg mit zahlreichen traditionellen Geschenken nach Hause zurück. Reich an persönlichen Erlebnissen hat sich seine Einstellung zur Dritten Welt gewandelt. „Ich empfinde es als einen nachhaltigen Gewinn, meine Fähigkeiten einzubringen und gleichsam den Nutzen für die Menschen so schnell sehen zu können, wie ausgeprägt sie die Hilfe zur Selbsthilfe umsetzen“, sagt der Chirurg und plant bereits innerlich die nächste Reise zum Kilimanjaro.

Ich glaube an Afrika

Africa Amini Alama bedeutet „Ich glaube an Afrika“. Die Wienerin Dr. Christina Wallner gründete die Einrichtung 2007 als Versorgungsstation für Schwangere. Heute können Patienten in den Fachrichtungen Zahnmedizin, Augenheilkunde, Innere und Gynäkologie, Chirurgie sowie Naturheilkunde versorgt werden. In den Jahren kamen mehrere Grundschulen, Ausbildungseinrichtungen für Maurer, Mechatroniker und Tischler sowie besagtes Waisenhaus hinzu. Auch im Bereich Tourismus sind Einrichtungen aufgebaut worden. Und das Momella Health Center wächst weiter. Verschiedene soziale Projekte werden immer wieder aufgelegt. Die beiden Gründerinnen leben in der Gemeinde vor Ort. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden und Einnahmen aus dem Tourismus.
Weiter Infos erhält man im Internet unter www.africaaminialama.com.

Diesen Beitrag teilen:

Zurück