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Einblicke, die berühren – und auch Mut machen

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Einige der Künstler, die mit ihrer Kiste voller Leben davon erzählen, wie folgenschwere Krankheit, schwere Erlebnisse und Erfahrungen das Leben ver-rücken können.

Rickling (em). Kisten voller Leben. Ver-rückte Biografien – so lautet der Titel einer Ausstellung, die im Kunsthaus des Psychiatrischen Zentrums in Rickling eröffnet wurde. 18 Künstler mit psychischen Erkrankungen gestalteten Schaukästen, die den Besuchern einen bewegenden Blick auf ihre Biografien gewähren. Sie erzählen von Krisen, schweren Schicksalsschlägen und wie ihre Erkrankung ihr Leben ver-rückt hat. Sie erzählen aber auch von Mut und Kraft, damit offen umzugehen.
„Gut wieder hier zu sein, gut euch zu sehen“ – mit diesem gemeinsam gesungenen Lied von Hannes Wader eröffneten die elf anwesenden Kistenkünstler vor rund 80 Gästen eine Veranstaltung, die niemanden kalt ließ. Am Ende der Feierlichkeiten klappten sie ihre Lebenskisten auf und öffneten so den Blick auf teils minutiös gestaltete Szenerien, auf Symbole und Bilder, die etwa von Missbrauch sprechen, von einem vom Alkohol zerrütteten Leben, von Unfällen, die von einem Tag zum anderen alles anders machten, oder auch von davon, wie die psychische Erkrankung das Leben in eine nicht gewollte Richtung drängt. „Ich will die Menschen mit meiner Geschichte aufrütteln“, sagte etwa Steffi Kreutzer, die als erwachsene Frau unter den Folgen des Missbrauchs als Kind leidet. „Ich bin psychisch krank, aber ich habe vor langer Zeit beschlossen zu überleben.“ Die Arbeit an ihrer Biografiekiste, aber auch die Gemeinschaft mit den anderen Kistenkünstlern habe ihr sehr dabei geholfen. Einfach war diese Arbeit – an der auch zwei Mitarbeiter des Psychiatrischen Zentrums teilgenommen hatten – für keinen der Künstler. „Ich musste zwischendurch meine Kiste einfach mal zumachen“, berichtete Sigi Jablonski, der durch einen Unfall aus dem normalen Leben gerissen wurde, jetzt auf einen Rollstuhl angewiesen ist und an einer Depression erkrankte. Aber auch ihn verließ nicht der Mut, weiterzumachen. Dr. Nikolas Kahlke, Leitender Chefarzt des Psychiatrischen Zentrums, wies in seinem Grußwort darauf hin, wie wichtig es in der therapeutischen Arbeit ist, diesen Lebensmut zu stärken. Biografiearbeit sei ein geeignetes Instrument dabei.
Das Biografieprojekt, in dessen Rahmen die Ausstellung entstand, ist ein Projekt der Aktion Sinneswandel, dem Antistigma-Arbeitskreis im Psychiatrischen Zentrum.
Die Ausstellung Kisten voller Leben. Ver-rückte Biografien im Kunsthaus im Psychiatrischen Zentrum in Rickling ist noch bis Donnerstag, 26. September, werktags in der Zeit von 9 bis 15 Uhr für Besucher offen.
Weitere Veranstaltungen im Rahmenprogramm:
Donnerstag, 15. August, 18 Uhr: Lesung und filmische Impressionen zu Biografien von Menschen mit psychischen Erkrankungen
Donnerstag, 19. September, 18 Uhr: Abschlussveranstaltung mit Film zum Projekt.

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