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Die Qual der Wahl

von Inge Schlüter

Inge Schlüter

Seit Wochen schon begegnen mir in den Medien Werbespots, die die Sozialwahl 2017 ankündigen und mich zu ermuntern versuchen, mein Wahlrecht wahrzunehmen und mit abzustimmen.
Und nun ist es soweit: Mit der Post erreichen mich zwei Umschläge mit der in den Werbespots angekündigten Zettelwirtschaft. Wieso zwei? Davon war im Werbespot nicht die Rede. Oder habe ich ihn in Ermangelung echten Interesses nicht aufmerksam genug verfolgt? Wie auch immer – die Inhalte der Umschläge strengen mich an. Es überlastet, überfordert und nervt mich, dass ich neben meinen kleinen und größeren privaten Baustellen nun auch noch den Verwaltungsrat meiner Krankenkasse und die Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung wichtig finden soll. Was verbirgt sich überhaupt dahinter? Können die das nicht alleine? Muss das eine alleinerziehende Mutti vom Dorf regeln? Wenn einer vom Verwaltungsrat in der Zeit meinen Rasen mähen würde, kümmerte ich mich gern um das Ankreuzen und Zurückschicken der Umschläge!
Ich ahne, dass mir mindestens drei Möglichkeiten zur Verfügung stehen, mich dieser Herausforderung zu stellen.
Erstens: Ich reiche für morgen einen Tag Urlaub ein, damit ich mich in die Materie einlesen kann. Nur so könnte ich verantwortungsbewusst, mit bestem Wissen und Gewissen und mit vollem gesellschaftlichen Engagement meine Stimme abgeben!
Zweitens: Ich nehme mir eine halbe Stunde Zeit, klicke im Internet die sogenannten Listen durch, akzeptiere mein Nicht-Wissen, entscheide mich schnurstracks für die oder den Kandidaten mit dem nettesten Lächeln, der besten Aussprache oder der flottesten Frisur. Das haben sie davon, wenn sie mich in meinem ausgefüllten Alltag stören. Gleichzeitig aber hätte ich mich diesem demokratischen Instrument nicht entzogen und gäbe mich dem wunderbaren Gefühl der Mitbestimmung hin.
Oder Drittens: Alles in den Papierkorb werfen und abwarten, was passiert – in der Vermutung, dass nichts Weltbewegendes passieren würde! Letzteres scheint mir gut gegen Überanstrengung und ich bekäme sogar noch meinen Rasen gemäht!

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