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Projektarbeit mit Krippenkindern:

Die Kleinsten lernen mit allen Sinnen

von Katja Lassen

Lernen durch tun – so die Idee der Projektmethode nach Karl Frey, die Praktikantin Stefanie Werstat mit unter dreijährigen Krippenkindern der Johanniter Kindertagesstätte Oeringer Strolche erfolgreich umsetzte. Foto: Werstat

Oering (kf). Über das Quereinsteigerprogramm Questo der Arbeiterwohlfahrt Stormarn macht Stefanie Werstat ihre dreijährige Ausbildung zur Erzieherin. Die Mutter eines Sohnes war zuvor als Reiseverkehrskauffrau am Flughafen im Schichtdienst tätig. Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, entschied sie sich für den beruflichen Wechsel zur Erzieherin, da es hier einen großen Bedarf und Fachkräftemangel gibt.
Die schulische Ausbildung am BSK (Berufliche Schule des Kreises Stormarn) in Bad Oldesloe verlangt in jedem der drei Ausbildungsjahre ein Praktikum in einer Einrichtung. Nach Praktika im Elementarbereich einer Kita und einem weiteren in der Betreuten Grundschule in Seth absolviert die 38-Jährige im letzten Ausbildungsjahr derzeit ein zehnwöchiges Praktikum in der Krippe der Johanniter Kindertagesstätte Oeringer Strolche.
Dabei gilt es, eine Projektaufgabe umzusetzen, und diese entsprechend zu dokumentieren. Stefanie Werstat entschied sich für die Projektmethode nach Karl Frey.
Grob erklärt lernen die Kinder durch eigenes tun. Der Erzieher nimmt sich bewusst zurück, die Kinder entwickeln eigene Ideen, Interessen nach ihren Bedürfnissen. Dabei spielen Partizipation, Mit- und Selbstbestimmung eine große Rolle. Mit dem Ziel, sie zu selbstbewussten, eigenständigen Menschen heranwachsen zu lassen.
„Die Methode wird vom Kindergartenalter bis ins Erwachsenenalter erfolgreich praktiziert“, so Stefanie Werstat, die sich bei ihren Krippenkindern im Alter von ein bis drei Jahren jedoch zusätzlich herausgefordert fühlte. Krippenkinder unter drei Jahren könnten ihre Bedürfnisse und Interessen nur schwer oder auch gar nicht mitteilen, dachte sie zunächst.
„Sie verfügen aber über alle Sinne, mit denen sie die Welt um sich herum erfassen und erfahren“, so Werstat, die die Kleinen bei ihren Wahrnehmungen beobachtete. Das geschieht beim Essen mit den Händen genauso, wie beim Spielzeug in den Mund stecken. Also entschied sich die Praktikantin den Fokus auf die Wahrnehmung zu legen und wälzte zunächst etliche Bücher. Bunte Dosen, in die durch unterschiedliche Schlitze Dinge gesteckt werden, gehörten ebenso dazu, wie das Ertasten von verschiedenfarbigen gefüllten Beuteln und eine Fühlstraße. Schon bei der Herstellung der Utelsilien wurden die Kinder eingebunden und beteiligt. Dann ging es ans freie Ausprobieren und Experimentieren. Mit verschiedenfarbigen Salz-Kreide-Gemischen durfte gerieben, geschmeckt, gefühlt, gerieselt und geschmiert werden, und ganz nebenbei wurden die Farben gelernt.
Doch nicht nur die Kinder haben viel aus dem Projekt mitgenommen, auch die erfahrene Erzieherin und Anleiterin für das Praktikum Jutta Kaiser-Studt und ihre SPA-Kollegin Inga Kruse fühlten sich von ihrer Praktikantin inspiriert. „Wir brauchen hier in der Krippe keine Spielsachen, uns reichen Papprollen, Papier, Deckel und Dosen“, sagten sie. „Die Kinder erleben dabei ein Miteinander und bilden Freundschaften“, loben sie die Arbeit ihrer Praktikantin, die sie bei der Umsetzung vorbildlich unterstützten. „Wir erfüllen den Bildungsauftrag mit diesem Projekt in alle Richtungen“, so Kaiser-Studt. Und Stefanie Werstat freut sich über den Beweis, dass auch mit ganz kleinen Kindern eine selbstbestimmte Projektarbeit möglich ist und man sie auf diese Weise in viele Entscheidungen mit einbinden kann.
Die Kinder bewahren ihre ganz persönlichen Erinnerungen aus dem Projekt in ihren persönlichen Schatzkisten auf. Die Eltern bekommen eine Anleitung zum Nachmachen für Zuhause.

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