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Desolater Campingplatz wird zum Tiny-Houses-Park

von Katja Lassen

Ein Kellergewölbe unter Wohnwagen und Vorzelt ist für den neuen Grundstücksbesitzer Stephan Diehn zum einen wegen der Statik mehr als bedenklich, zum anderen lagern dort, wie vielerorts, Unmengen von Müll.

Nahe (kf). Spaziergängern wird es schon aufgefallen sein. Es tut sich eine ganze Menge auf dem 2,5 Hektar großen Gelände des ehemaligen Camping Seerögen in unmittelbarer Nähe zum Itzstedter See. Seit 1968 betrieb die Itzstedter Familie Rathje hier einen Campingplatz, der zur Gemarkung Nahe gehört. Seit Februar 2020 gibt es mit der Autodrom Handelsgesellschaft unter Inhaber Stephan Diehn einen neuen Besitzer, der zunächst gründlich klar Schiff macht. „Der Platz ist in einem komplett desolaten Zustand und mit etlichen Altlasten belegt“, sagt er.

Alters- und gesundheitsbedingt haben die Vorbesitzer lange Jahre die Anlage mit insgesamt 220 Plätzen nicht mehr pflegen können. Nachdem diese verstarben, gelang es der Erbengemeinschaft nicht, sich auf ein Konzept zu einigen. Sechs weitere Jahre passierte somit wenig.

65 bis 70 Stellplätze waren zuletzt überwiegend mit Langzeit-Campern belegt, die zum Teil schon über Jahre nicht mehr für ihren Stellplatz zahlten. Zum einen ist ihnen das aber auch nicht zu verdenken. Zum anderen hat sich das unbezahlte Campen in Seenähe aber auch herumgesprochen und ein bestimmtes Klientel förmlich eingeladen, sich hier kostengünstig oder sogar kostenlos niederzulassen. „Damit soll jetzt Schluss sein“, betont Stephan Diehn, der mit seinen fleißigen Helfern und unter Einsatz von Treckern, Baggern und Planierraupen rigoros aufräumt. Und das ist offensichtlich auch bitter nötig. Mehr als 500 Kubikmeter Müll, darunter Trecker-reifen, Waschmaschinen und Zäune, aber auch sonstiger Unrat seien schon jetzt angefallen. Und dabei wurde bis dato erst knapp die Hälfte der Parzellen schier gemacht. Etliche Campingwagen waren seit Jahren verlassen, verwahrlost und vermüllt. Manch ein Exemplar wurde nur noch mit Klebeband zusammengehalten. Von den Besitzern fehlte zum Teil jede Spur. „Wir haben allen eine Frist gesetzt, ihre Parzellen zu räumen. Wer dieser Aufforderung nicht nachgekommen ist oder keine Rückmeldung gegeben hat, wurde zwangsgeräumt. Dabei kamen unter anderem kuriose Bauten zum Vorschein“, sagt Diehn. So hätten einige Camper unter ihren Wohnwagen ganze Keller errichtet und sich zum Teil über das Campingplatzareal hinaus auf benachbarte Naturflächen ausgebreitet und diese als Schrebergärten hergerichtet und eingezäunt. Nach Rücksprache dürfen 22 Camper noch bis Ende des Jahres bleiben. „Dann soll aber endgültig Schluss sein“, so der neue Besitzer.

Für die Zukunft plant er, das gesamte Areal für sogenannte Tiny-Houses, zu deutsch Minihäuser, herzurichten. Dazu sollen rund 80 Parzellen entstehen, die mit Strom und Gas sowie Frisch- und Abwasser am Platz ausgestattet sind. Voraussetzung ist, dass die Minihäuser rollbar sind und in nachhaltiger Bauweise errichtet wurden. „Je nach Standort hätten diese dann sogar Seeblick“, so Stephan Diehn, für den auch eine Musterausstellung für Tiny-Houses zukünftig denkbar ist. Doch bis es soweit ist, plant er noch weitere drei Jahre für den kompletten Umbau der Anlage.

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