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Borstel bekommt ein neues Forschungslabor für 40 Millionen Euro

von Katja Lassen

Projektleiter Prof. Dr. Frank Petersen (li.) und Zentrumsdirektor Prof. Dr. Stefan Ehlers vom Forschungszentrum Borstel zeigen die Entwurfsplanungen für das neue Forschungsgebäude, das 2021 in Betrieb genommen werden soll. Foto: kf

Borstel (kf). Das Hauptforschungsgebäude auf dem Campus des Forschungszentrums Borstel, dem Lungenforschungszentrum der Leibniz-Gemeinschaft, ist 30 Jahre alt und hat das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht. Um sich auch zukünftig dem Wettbewerb stellen zu können und die Zukunft der Forschung für die nächsten 35 Jahre auf hohem Niveau zu sichern, soll jetzt ein neues zentrales Forschungsgebäude entstehen.
Seit gut einem Jahr laufen die Planungen für den 40 Millionen Euro teuren Bau, der vom Bundesministerium für Gesundheit und vom Land über das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur je zur Hälfte getragen wird.
Eine zunächst angedachte Kernsanierung des derzeitigen Hauptforschungsgebäudes ist nach Angaben von Zentrumsdirektor Prof. Dr. Stefan Ehlers und Projektleiter Prof. Dr. Frank Petersen nicht machbar, da die Umbaumaßnahmen auch die Hochsicherheitslabore für die Tuberkuloseforschung und die Tierhaltung betreffen. Das Forschungszentrum hat einen Kernetat von circa 20 Millionen und wirbt jährlich ungefähr 6,5 Millionen Euro an Drittmitteln von öffentlichen Geldgebern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein. Um dies auch weiterhin zu gewährleisten, muss der Forschungsbetrieb aufrecht erhalten bleiben. „Das wäre mit Baulärm und -schmutz nicht zumutbar“, so Petersen.
Nach der Ausschreibung Anfang 2016 ging es ab Mai zusammen mit allen Nutzern in die Planung. Die daraus resultierenden Entwurfsplanungen sind abgeschlossen, jetzt laufen Plan- und Genehmigungsverfahren auf Hochtouren. Ende November wird die Baugenehmigung eingereicht. Baubeginn soll Ende Mai/Anfang Juni 2018 sein.
Das neue Forschungsgebäude entsteht auf einer bisher als Parkplatz genutzten Fläche neben dem Klinikgebäude. Notwendige neue Parkflächen sollen auf einem zum Institutsgelände gehörigen Acker entstehen. Dafür müssen Änderungen im Flächennutzungsplan vorgenommen werden.
In den Neubau, der über eine Gesamtfläche von 8.000 Quadratmetern verfügt, ziehen 15 Forschungsgruppen mit 140 Mitarbeitern ein. Gleichzeitig müssen modernste Labor-, Sicherheits- und Kommunikationstechnik Platz finden, „damit man den stetig steigenden Anforderungen an Tierschutz, Arbeitssicherheit und Umweltschonung gerecht wird“, so Frank Petersen.
Der Bau eines Hochsicherheitslabors für die Erforschung von Tuberkulose (die Tuberkelbakterien werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion, also über die Luft, übertragen) bedeutet unter anderem auch die Installation einer komplexen Raum- und Klimatechnik, Scheiben aus Panzerglas, eine eigene Löschwasser- sowie Stomversorgung. Von den 8.000 Quadratmetern Gesamtfläche fällt allein die Hälfte auf die nötige Technik und Verkehrsflächen, die andere Hälfte ist für Labore, Tierhaltung für Mäuse und Büroflächen nutzbar. Die Bauzeit wurde mit drei Jahren veranschlagt, ein weiteres Jahr wird das Einstellen und Feintuning der Anlage brauchen, die im Notfall komplett von außen desinfiziert werden kann. Erst dann kann die Betriebsgenehmigung erteilt werden.
„Das vor 70 Jahren gegründete  Tuberkuloseforschungsinstitut entwickelt damit seine ruhmreiche Tradition mit einer zukunftssichernden Infrastruktur fort“, so Zentrumsdirektor Stefan Ehlers. „Anwendungsbezogene Forschung auf dem Gebiet der Lungenerkrankung nach dem Motto: Resistente Tuberkulose heilen, Asthma verhindern – Besser atmen! hat im Norden eine sichere Heimstatt – die heißt Borstel!“

In Borstel wird geforscht

Das Forschungszentrum Borstel ist das Lungenforschungszentrum der Leibniz-Gemeinschaft. Im Fokus stehen chronisch-entzündliche Lungenerkrankungen wie Asthma und Allergien, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sowie Tuberkulose und andere infektionsbedingte Entzündungen der Lunge.
Das übergeordnete Ziel der interdisziplinären Forschungsaktivitäten ist, die Ursachen und Mechanismen chronisch-entzündlicher und degenerativer Erkrankungen der Lunge aufzuklären, um daraus innovative Konzepte zu deren Diagnostik, Prävention und Therapie abzuleiten. Eine dem Forschungszentrum angegliederte Klinik sorgt für die „Translation“, das heißt die Umsetzung der Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Anwendung zum Nutzen der Patienten. In Forschungszentrum und Klinik sind 550 Mitarbeiter aus 18 Nationen beschäftigt. Regelmäßig werden die Wissenschaftler mit renommierten Preisen ausgezeichnet.
Das Forschungszentrum ist deutschlandweit das einzige Hochsicherheitslabor mit integrierter Tierhaltung und wird vom Bund, dem Land Schleswig-Holstein sowie der Ländergemeinschaft finanziert.

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