Aktuelles
Gedicht und Erklärung von Brunhild Schuckart

Biikebrennen

von gelieferte Meldung

„So lebet denn wohl, wieder ist es soweit;
einen Tag vor St. Peter – für uns an der Zeit,
auf Walfang zu gehen; die Boote sind klar,
 wir stechen in See – so wie jedes Jahr.
In Hamburg, in Bremen, in Rotterdam,
da liegen die Schiffe, dort heuern wir an.
 Sind wir erst mal dort, gehen wir an Bord
und fahren mit ihnen in Richtung Nord.“
Und die Menschen, sie tragen das Strauchwerk zusammen,
und es knackt und es knistert, und es züngeln die Flammen,
 es färbt den Himmel die feurige Glut,
und es gleiten die Boote hinaus in die Flut.
Ein Abschied! „So betet, ihr Heiden und Frommen,
wer weiß, ob wir jemals zurück wieder kommen.
So manchen schon traf es, er kehrte nicht heim,
und unsereins kann’s vielleicht morgen schon sein!“
Doch sie fahren hinaus, trotzen aller Gefahr,
einen Tag vor St. Peter – so wie jedes Jahr.
Und noch lange bis tief in die Nacht hinein
grüßt die Männer weit draußen der Feuerschein.

 

Abschied vom Winter

Der 22. Februar ist dem heiligen Petrus, dem Patron der Fischer, gewidmet. Scherzhaft werden die Fischer und Angler deshalb zum Teil auch heute noch als „Petri-Jünger“ bezeichnet. Und auch ihr Gruß – man begrüßt sich gegenseitig mit „Petri Heil“ und „Petri Dank“ – erinnert an ihren Schutzpatron. Am Vorabend des 22. Februar findet an der Westküste Schleswig-Holsteins, insbesondere auf den Inseln und Halligen, bei Einbruch der Dunkelheit das so genannte „Biikebrennen“ statt. Das Wort „Biike“ ist friesisch und heißt Buschwerk. Das Biikebrennen hat eine lange Tradition. Es ist ein Brauchtum, das bis in heidnische Vorzeiten zurückreicht. Große Reisighaufen werden aufgeschichtet und angezündet, so dass die Feuer dann weithin sichtbar bis tief in die Nacht hinein leuchten.
Waren es in vorchristlicher Zeit Opferfeuer für den Gott Wotan, so wurden später daraus Abschiedsfeuer für die in See stechenden Walfänger und vielfach symbolisierten diese Feuer – wie schon erwähnt – das Abschiednehmen vom Winter. Als Symbol für böse Wintergeister, die ausgetrieben werden mussten, warf man Strohpuppen in die Flammen.

Aus der dreiteiligen Gedichtsbandreihe „Im Jahreskreis – Von Johanni bis Martini“, Band 1 von der Bad Segeberger Autorin Brunhild Schuckart.

Diesen Beitrag teilen:

Zurück