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Bessere Leistungen für Pflegebedürftige

von Harald Prädel

Zwei Pflegekräfte helfen einer Seniorin in den Rollstuhl.

Bad Segeberg (hap). Ulrich Mildenberger zeigt sich optimistisch. „Im Bereich der ambulanten Pflege gibt es deutliche Verbesserungen, etwa in der Tagespflege oder bei den Hilfen für
pflegende Angehörige.“ So kommentiert der Leiter des Pflegestützpunktes Segeberg, Ulrich Mildenberger, das Zweite Pflegestärkungsgesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist. Damit erhalten Demenzkranke und Bedürftige, die in ihrer Alltagskompetenz leicht eingeschränkt sind, die gleichen Leistungen wie dauerhaft körperlich kranke Pflegebedürftige. Aber auch die Leistungen für pflegende Angehörige werden verbessert.
Die wesentliche Neuerung der Reform: Das bisherige System wird komplett umgestellt. Statt bisher drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade. Dadurch sollen die Leistungsansprüche nicht nur transparenter werden, sondern die Förderung wird zugleich auch erhöht. Folgende Pflegegrade gelten:
Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten; die Leistung beträgt 125 Euro pro Monat; für altersgerechte Umbaumaßnahmen in der Wohnung gibt es bis  zu 4.000 Euro Zuschuss.
Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten; die Leis­tung beträgt 316 Euro pro Monat.
Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten; die Leistung beträgt 545 Euro pro Monat.
Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten; die Leis­tung beträgt 728 Euro pro Monat.
Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung; die Leistung beträgt 901 Euro pro Monat.
Gegenüber den alten Pflegestufen steigen die finanziellen monatlichen Leistungen um 154 bis 458 Euro.
Wer für sich oder einen Angehörigen einen Pflegegrad beantragt, wird nach dem neuen Prüfverfahren „Neues Begutachtungsassessment“ (NBA) begutachtet. Auf der Basis der dabei festgestellten noch vorhandenen Selbstständigkeit der Betroffenen geben die Gutachter eine Empfehlung für einen der fünf Pflegegrade. Der Grundsatz: Je unselbstständiger der Gutachter einen Bedürftigen einschätzt, umso höher ist der Pflegegrad, der empfohlen wird – und umso höher ist die Leistung aus der Pflegeversicherung.
Umfangreiche Veränderungen gibt es auch in der Pflegeberatung, für die ein ganzes Bündel an Maßnahmen vorgesehen ist. So sollen Pflegekassen den Pflegebedürftigen künftig Ansprechpartner nennen, die auf der Grundlage einheitlicher Vorgaben neutral beraten. Außerdem kann die Pflegeberatung auch gegenüber den Angehörigen oder Lebenspartnern – ohne Beisein des Pflegebedürftigen – erfolgen, sofern dies der Pflegebedürftige wünscht.
Pflegende Angehörige haben darüber hinaus Anspruch auf zusätzliche Leistungen, wie zum Beispiel die Verhinderungspflege (Pflegegeld für bis zu sechs Wochen, wenn die Pflegeperson ausfällt) oder Kurzzeitpflege für bis zu acht Wochen. Sie werden künftig auch sozial besser abgesichert, indem etwa die Beiträge zur Rentenversicherung übernommen werden, wenn die betreffende Person nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbstätig ist.
Ulrich Mildenberger begrüßt zwar diese Regelungen. Er kritisiert aber, dass die Pflegereform zu kompliziert sei. „Die verschiedenen Leistungen in der ambulanten Pflege mit Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege und Entlastungsbeträgen stammen aus verschiedenen Töpfen, die man kennen muss“, betont der Leiter des Pflegestützpunktes Segeberg. Viele Betroffene, so fürchtet er, werden die Leistungen gar nicht nutzen, weil sie Regelungen kaum zu durchschauen seien.
Pflegebedürftige und Angehörige sollten daher die Beratung des Pflegestützpunktes nutzen, um sich umgehend über die Reform zu informieren. Sprechstunden bietet die Einrichtung an in Bad Segeberg, Kirchstraße 9, donnerstags von 17 bis 19 Uhr (Telefon 04551/955112), und in Bornhöved, Lindenstraße 5, mittwochs von 10 bis 12 Uhr (Telefon 04323/80544713).
   

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