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Nachgedacht: Kolumne von Inge Schlüchter

Bauernregeln und ihre Nebenwirkungen

von Inge Schlüter

Inge Schlüter

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks veröffentlichte im Zuge der Kampagne „Gut zur Umwelt. Gesund für alle.“ ihre elf neuen Bauernregeln. Mit bunt geschmückten Formulierungen, wie zum Beispiel „Zu viel Dünger auf dem Feld geht erst ins Wasser, dann ins Geld.“, wollte sie auf Fehlentwicklungen in der Agrarwirtschaft aufmerksam machen.
Was passieren kann, wenn mangels Kommunikation eine im Ursprung gar nicht so schlechte Idee sich als „Griff ins Klo“ erweist, haben wir die letzten Wochen beobachten können.
Hätte Frau Hendricks nicht erst nach Veröffentlichung der Kampagne auf den Dialog mit Landwirten gesetzt, wäre es wahrscheinlich ganz anders gekommen. Aber: Hätte – hätte – Fahrradkette!
Nun haben wir sie unter uns: Die Wütenden, die Entsetzten, die Beleidigten, sogar die Diffamierten aber auch die Befürworter, die entspannt und souverän Reagierenden und einige Gleichgültige.
Und irgendwo dazwischen kann auch ich mich einordnen. Ich fühle mich dem Berufsstand der Landwirte zugetan. Das mag damit zusammenhängen, dass ich auf einem Bauernhof aufwachsen durfte. Dennoch kann ich einige wütende Reaktionen nicht teilen. Vom „Mobbing gegen den landwirtschaftlichen Berufsstand“ oder von „einer Frechheit hoch zehn“ zu sprechen oder mit verschränkten Armen seine Kränkung zu demonstrieren, spannt bei mir lediglich den Bogen zum Sprichwort „Getroffene Hunde bellen“. Dieses besagt, dass man sich nur dann ungewöhnlich heftig gegen Kritik zur Wehr setzt, wenn die Bemängelung eine Wahrheit berührt.
Meiner Meinung nach ist Kritik nach wie vor berechtigt, gleichwohl es Bereiche und Entwicklungen gibt, bei denen auch Lob, Anerkennung und ein kräftiger Applaus angemessen wären. Und genau das wurde in der Kampagne vernachlässigt. Aber sie, die Kampagne, wollte bekanntermaßen auf Missstände aufmerksam machen und das erreicht man nicht, indem man die Missstände unerwähnt lässt.
Zur Verdeutlichung übertrage ich es auf einen anderen Bereich: Wenn ich meinen Vermieter auf ein undichtes Dach aufmerksam machen möchte, erreiche ich es nicht, indem ich über das stabile Fundament spreche. Und ein undichtes Dach wird nicht zu einem dichten Dach, wenn sich der Vermieter um seine verletzte Ehre anstatt um einen Handwerker kümmert.
Wer weiß? Wenn sich jeder Verantwortliche, dazu zähle ich nicht nur Landwirte, sondern auch Politiker und Verbraucher – also auch mich – ein wenig durch die Kampagne, gelungen oder nicht gelungen sei dahingestellt, zum weiteren Nachdenken und Handeln ermuntert fühlt, hat sie zuletzt doch was Gutes bewirkt.

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