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Kolumne

Andersrum gedacht

von Inge Schlüter

Wenn wir von kinderlosen Menschen im gebärfreudigen Alter hören oder sehen, die sich einen Hund zulegen, dann kommt bei manch einem automatisch das Klischee zum Vorschein: „Klarer Fall von Kindersatz!“
Mancher unterstellt diesen Tierliebhabern, dass sie ihre angestaute und nicht erfüllte Vater- oder Mutterliebe am Hund „abreagieren“ müssen, weil sie sonst platzen oder zumindest unzufrieden werden.
Meine kreativen – oder albernen – Gedanken entführen mich heute in eine ganz andere Denkweise: Es kann nicht sein, dass immer der Hund als Ersatzobjekt oder Lü­ckenfüller herhalten muss! Bei den einen soll er die nicht gezeugten oder ungeborenen Kinder ersetzen, und bei mancher Frau den Partner, weil sie sich – wie ich es auf einer Karte las – lieber nur den Teppich anstatt gleich das ganze Leben versauen wolle.
Aus Solidarität mit all den Hunden, denen man abspricht, dass sie einzig und allein ihrer selbst willen bei den Menschen sind, stelle ich heute lustvoll eine neue These auf: Viele Kinder und Partner sind lediglich Hundersatz!
Ja, es ist in Wirklichkeit andersrum! Es gibt vielschichtige Gründe, warum es mit einem Hund nicht klappen kann. Das ist und bleibt bedauerlich! Manche haben einfach nicht genug Geld für Futter, Tierarzt und nicht zu vergessen die jährlichen Steuern. Ersatzweise legen sich diese Menschen dann finanziell unabhängige Partner zu.
Es gibt auch Menschen, die gerne Hunde hätten, aber gewisse Umstände bremsen sie aus. Die Hunde werden zum Beispiel nicht vom Staat gefördert – es gibt also weder Hundegeld noch Zuschüsse für Hundetagesstätten und Hundeschulen. Zudem bietet der Antalya-Urlaub keine Hundeanimation an, welche das ungestörte Lesen der Krimis auf dem Liegestuhl, Reihe eins am Pool ermöglicht. Das sind alles Gründe, weshalb sich manche Menschen alternativ für Kinder entscheiden. Notgedrungen!
Nun wissen Sie, dass vieles aus der Überlieferung „Hund“ nicht das ist, wonach es aussieht! Es ist manchmal einfach nur andersrum!
Vielleicht wedelt der Hund auch gar nicht mit dem Schwanz, sondern der Hund und die Welt wa­ckeln – die Rute aber steht still. Wer weiß das schon?

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