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Straßenausbau Am Bramberg in Seth verärgert die Anwohner:

„Andere entscheiden – wir müssen zahlen“

von Katja Lassen

Sie sind mit ihrer Geduld am Ende. Seit September 2017 laufen die Bauarbeiten der Straße Am Bramberg in Seth. Anwohner kritisieren die schlechte Kommunikation sowie den Ablauf der Baumaßnahme und fühlen sich entmündigt. Sie dürften zahlen, würden aber bei

Seth (kf). Der Ausbau der Straße Am Bramberg in Seth sorgt für Unmut bei den Anwohnern. Sie sind mit ihrer Geduld am Ende. Seit dem 28. September 2017 laufen in der Sackgasse die Bauarbeiten zunächst mit einer Teilsperrung, seit dem 28. Mai 2018 mit einer Vollsperrung. Seitdem müssen die Anwohner in der angrenzenden Musikantenstraße parken und alles von und zu ihren Häusern über die Baustelle transportieren.  Derzeit pflastert ein einziger Arbeiter die Straße samt Kehre mit einem Muster aus vier verschiedenen Pflastersteingrößen. Er schleppt die Steine selbst heran, verlegt diese und wird auch die Straße im Alleingang abrütteln. Das löst pures Kopfschütteln bei den Anwohnern aus. Ihnen sei eine Fertigstellung vor Weihnachten 2017 zugesagt worden. Außerdem hätten sie sich, wie vom beratenden Ingenieur empfohlen, die großen Steine als alleiniges Pflaster gewünscht. „Ende 2016/2017 sei das Bauprogramm erläutert und vorgestellt worden. Dabei wurden Vor- und Nachteile zwischen Asphalt-Belag und Pflaster besprochen“, bestätigt der Ingenieur Carsten Bein. Die Gemeindevertretung, der die Entscheidungshoheit obliegt, habe  die Ausbauform als Straßenpflaster gewählt. „Die vier verschiedenen Steine wurden gewählt, weil sich damit Kurven und Radien besser verlegen lassen“, erklärt der Leiter des Bauausschusses Uwe Kemmerich.
Seit Monaten ziehen die Anwohner, von denen die Hälfte älter ist als 60 Jahre, ihre Mülltonnen über unwegsames Terrain quer durch die Baustelle, was bei dem vielen Stark­regen im Matsch und Dreck sowie im Winter vor allem für die älteren Bürger ein schier unlösbares Problem bedeutete. „Teilweise war die Baustelle gar nicht richtig beleuchtet und abgesichert gewesen. Wackelige Europaletten dienten als Rampen, aufgenommene Pflastersteine der Hofauffahrten verschwanden im Erdreich  oder lagen als Stolperfallen herum“, so die verärgerten Anwohner. „Uns wurde zugesagt, dass die Bauarbeiter die Mülltonnen an die Straße bringen. Das hat in achteinhalb Monaten aber nur zweimal geklappt“, so Monika Bauhuf, die am Ende der Sackgasse in einem sieben Personenhaushalt plus Tageskinder wohnt. Alle Einkäufe sowie Fahrten mit den Enkelkindern zu ihren Hobbys werden zur Tortur.
Umso ärgerlicher für die Anwohner, das die Baustelle im Dezember nur noch sporadisch besucht wurde, im Januar und Februar dann ganz ruhte. „Die Arbeiter wurden von einem auf den anderen Tag abgezogen, uns hat niemand informiert“, so der Vorwurf an den Bauausschuss der Gemeinde. „Nur gut, dass ich vorsorglich genug Heizöl geordert habe, sonst hätten wir hier im Kalten gesessen“, sagt Hans-Joachim Grapp. „Wetterbedingt war ein Arbeiten bei dem vielen Regen nicht möglich“, erklärt Uwe Kemmerich. „Das ist für die Anwohner ärgerlich, ließ sich aber nicht ändern. Wir wären auch gern weiter vorangekommen“, sagt er.
Frustriert sind die Bewohner über die Tatsache, dass sie als Grundstückseigentümer zwar die Kosten der Baumaßnahme zu tragen haben aber kein Mitspracherecht, was die Ausführung und die Baukosten beträgt. „Wir fühlen uns entmündigt“, so die einhellige Meinung der aufgebrachten Anwohner, die ihren Frust auch schon in der Gemeindevertretung kundgetan haben.
Kommunikation
in der Sackgasse
Was die Kommunikation betrifft, scheint man sich ebenfalls in einer Sackgasse zu befinden. „Bei Baubesprechungen bekommen wir vom Bauausschuss keine Antwort und der Bauleiter der Tiefbaufirma geht schon gar nicht mehr ans Telefon“, lauten die Vorwürfe. Diese weisen sowohl Bauleiter als auch Bauausschussvorsitzender von sich, wollen jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt dazu Stellung nehmen. Fast jeder Anwohner erzählt seine eigene Leidens-Geschichte. So wurde bei einem Ehepaar die Schmutzwasserleitung zur Straße mit Steigung verlegt. Erst nach heftigem Widerstand sei dieser Mängel behoben worden. Otto und Petra Pfannenschmidt graut es vor den nächsten Starkregenschauern. Die Straße hat ein derart starkes Gefälle, dass sie befürchten ihre Hofauffahrt samt Garage werde unter Wasser stehen. Ihnen seien mehrere Siele am tiefsten Punkt zugesagt worden, leider wurde jetzt aber nur eines verbaut, das andere liege am höchsten Punkt auf der anderen Straßenseite, schmunzeln sie. Über einen Anwalt haben sie auf diesen Umstand bereits hinweisen lassen.
Wilfried Körting ist unter anderem mit der Ausführung der Arbeiten nicht zufrieden. Der Beton sei bei starker Hitze von 30 Grad aufgebracht worden und verbrannt. Seiner Ansicht nach wurde der „verbrannte Beton“, der für die Betonbindersteine der Wasserführung zu verarbeiten war, als Tragschicht-Material in die Fahrbahn eingebaut. Zu erkennen sei dies an der Rundung der Gesteinskörnung und an der Korngrößenverteilung des Materials, meint er und stellt die Tragfähigkeit in Frage. Hier sollte die Gemeinde als Auftraggeber handeln, um gegebenenfalls rechtliche Ansprüche geltend zu machen, meint er. „Wir sind ja nicht Auftraggeber, wir Anwohner dürfen nur zahlen.“
Die Bauüberwachung sieht der beratende Ingenieur Carsten Bein als seine Aufgabe. „Sollte es bauliche Mängel geben, werden diese festgehalten und behoben“, sagt er. Die gesamte Baumaßnahme umfasste die Erneuerung der maroden Abwasserkanäle durch hydraulische, leistungsfähigere Kanäle, eine Erneuerung der Trinkwasserleitung durch den Eigenbetrieb Wasserversorgung im Amt Itzstedt, die Verlegung eines kleinen Kabels durch die SH Netz AG und die Entfernung des maroden Straßenbelags als Hauptaufgabe mit anschließender  Pflas­terung. „Bautechnisch befinden wir uns in den letzten Zügen, wir rechnen damit, Ende Juli fertig zu sein“, sagt Ingenieur Carsten Bein, der außer dem wetterbedingten Baustopp im Winter keine auffälligen Verzögerungen der Baumaßnahme sieht. Das sehen die Anwohner, die teilweise sogar ein Bautagebuch geführt haben, ganz anders. Zeitweise soll es keine Steine oder keinen Bagger gegeben haben, von der neuen Wasserleitung sei zuvor nie die Rede gewesen. Aktuell soll es Probleme im Betonmischwerk geben, sagen sie. „Wir hätten uns gewünscht, das mal jemand auf uns zu gekommen wäre, um mit uns zu reden“, so eine enttäuschte Anwohnerin. „Immerhin werden wir wohl mit jeweils 15.000 bis 20.000 Euro zur Kasse gebeten“, schätzt sie. „Aber auch in diesem Punkt wissen wir nichts Genaues.
Während die Emotionen langsam hoch kochen, bleibt einer in der Straße Am Bramberg ganz ruhig. Er verlegt ganz fleißig Steine, denn er möchte in fünf Wochen in seinen wohl mehr als wohlverdienten Urlaub gehen.

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